Er betrat die Wohnung. Es blieb still. Erschöpft stellte er seine Sachen ab und ging in die Küche. Dort stand sein Abendessen bereit und eine Notiz lag auf der Theke. Er wollte sie eigentlich gar nicht lesen, er wusste was dort stand. Mit dem noch warmen Essen setzte er sich auf die Couch und machte den Fernseher an. Sie hatte recht, es lief Fußball. Diesmal war es sogar eine gute Ausrede. Für sie war es auf jeden Fall ein Grund, nicht hier zu sein. Er drehte den Kopf, um einen Blick Richtung Küchentheke zu werfen, auf welcher die Notiz lag. Ihm fiel wieder ein, wo sie war. Beim Abendessen mit einer Freundin, es war schon lange geplant gewesen und da sie gerade in der Stadt war, die Freundin, fand dieses Abendessen heute statt. Ein Tor fiel, eines der Gegner.

Enttäuscht schüttelte er den Kopf. Sie hatten doch am Anfang so gut gespielt! Und vor zwei Jahren hatten sie sich doch auch noch gut verstanden. Dann kam alles anders, mit den neuen Jobs. Sie arbeitete den ganzen Tag, er das Wochenende. Klang nach einer gelungenen Beziehung. Wenn sie sich nicht so oft sehen, dann ist doch ein Reiz da. Das Zusammenziehen, das war keine gute Idee gewesen. Sein Verein schoss ein Tor. „Ja“, er sprang auf. Er würde ihr sagen, dass es ein Fehler war. Dann würde alles besser werden. Sie könnten sich abends treffen und etwas zusammen unternehmen. Besser, als sich nichts zu sagen haben. Aber wenn sie dann einen Neuen hätte, da sie keine Bindung mehr fühlt? Das Ganze war zu gefährlich. Ein Spieler wurde ausgewechselt. Unentschlossen sah er zu. Alles war auf Angriff, der Ball befand sich links außen, eine Flanke in die Mitte und – Abseits. Der Ball rollte aber weiter.

Sein iPhone klingelte. Er stand auf. Eilte zu seiner Jacke. Aus deren Tasche fischte er das Phone, noch bevor es aufhörte zu klingeln. „Schatz?“, „Ich bin‘s, mein Auto streikt. Ich komme nicht nach Hause, aber wir wollen noch einen Abstecher in eine Bar machen. Willst du dazu stoßen und mich abholen?“ „Nee, lass mal, das Spiel ist gerade so interessant.“ Er warf einen Blick Richtung Fernseher. „Ach so“, sie klang enttäuscht. „Dann nehme ich mir ein Taxi!“ „Ja, bis dann“. Er legt auf und das Handy weg. Seine Faust traf das Holz zu stark. Es tat weh. Wieder vor dem Fernseher musste er feststellen, dass sein Team eine rote Karte bekommen hatte.

Er blieb hinter der Couch stehen. Nur noch fünf Minuten bis Abpfiff. Es stand 1:1. Wenn sein Team das Spiel nicht gewinnen würde, wäre der erste Platz der Tabelle weg. Das gegnerische Team befand sich vor dem Tor, er hörte das Öffnen der Tür, das musste sie sein. Der Spieler schoss… gut gehalten!

Sie kam herein. Sein Team nahm den Ball an und startete den Versuch zum Konter. Seine Freundin stellte sich zu ihm. „Hi!“, sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Drei Spieler seines Teams waren schon fast im Sechzehner, einer blieb zurück. Die anderen Beiden waren alleine mit dem Torwart. Ein Pass nach links. Sie nahm seine Hand. Wieder in die Mitte. Er wartete, mit angehaltenem Atem. Und dann der Schuss. Wunderbar versenkt, das Stadion feierte. „Yes!“, er hob seine Hand zum Jubel und riss ihre mit. Gewonnen. Sie hatten es mal wieder geschafft. Nächste Woche ist das Rückspiel.

by Marla Zeumann

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